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Warum wir etwas verändern müssen

Ein Kommentar von Salvatore Figliuzzi, Interprint Director of Marketing & Design

Vor Jahren – das Wort „Dieselskandal" existierte noch nicht und Autos ließen sich noch mit „Vorsprung durch Technik" verkaufen – hörte ich den spannenden Vortrag eines gerade pensionierten Top-Managers der Automobilindustrie zum Thema „Innovationsmanagement". Und wie es sich wahrscheinlich nur jemand traut, der gerade in den Ruhestand gegangen ist, äußerte er sich darin selbstkritisch zur Technik-Verliebtheit seiner Branche, die manchmal den Kunden völlig aus den Augen zu verlieren scheint. Seine erstaunlichen Ausführungen mündeten in dem Satz: „Haben Sie aus meinem Mund bisher nur einmal das Wort 'Kunde' gehört?"

Ich muss oft an diesen Satz denken und frage mich: Wissen wir überhaupt, was der Endverbraucher wirklich möchte oder gehen die Wünsche des Kunden im Laufe der Wertschöpfungskette verloren? Vielleicht weiß der Endverbraucher aber auch gar nicht so genau, war er möchte und erhofft sich von uns – der Branche – Inspiration und Orientierung?

Technologie und Design sind – aus unserer Sicht als Hersteller – zwei wesentliche Faktoren für erfolgreiche Produkte. Technologie für Langlebigkeit und Funktionalität. Design für Emotion, Ästhetik und Wohlbefinden. Aber interessiert den Endverbraucher tatsächlich, ob wir unser Dekor zum Beispiel digital oder konventionell drucken? Der Kunde will eine Oberfläche, nein vielmehr ein Möbel – schön, zeitgemäß und mit einem coolen Look. Wie die Oberfläche hergestellt wird? Who cares?! Die Technologie muss „ihren Job machen", damit am Ende ein erfolgreiches Produkt steht. Ihn interessiert nur das Ergebnis und nicht die Komplexität, die hinter dem Produkt steht.

Das Möbel ist auch nur Teil des Ganzen. Die Kommunikation zum Endkunden und die Präsentation des Produkts, kombiniert mit optischen sowie funktionalen Lösungen, machen das Thema erst interessant. Doch was braucht man für eine erfolgreiche Kommunikation? Wie weckt man Begehrlichkeiten?

Die Beliebtheit von pinterest, instagram und anderen Social Media-Portalen zeigt: der Kunde nimmt den Wohnraum sehr ernst und die Gestaltung eines schönen Zuhause hat einen immer höheren Stellenwert. Der Verbraucher beschäftigt sich intensiv mit dem Thema „Raum" und sucht nach individuellen Lösungen – und vor allem nach Inspiration. Die Gruppe von Lösungssuchern ist keine Minderheit mehr, im Gegenteil. Wahrscheinlich hängt das alles auch mit der zunehmenden gefühlten Unsicherheit „der Welt da draußen" zusammen. Die Langlebigkeit von Möbeln, wie sie noch unsere Eltern kannten, interessiert immer weniger. Möbel begleiten Menschen heute höchstens durch eine Lebensphase, aber kein Leben lang. So sind viele ständig auf der Suche nach einem „Update" für ihr Zuhause. Der Preis spielt dabei eher eine untergeordnete Rolle – Rabatte sind eben keine Raumlösungen. Wo aber werden die Suchenden fündig?

Diverse neue Web-Portale bespielen immer intensiver den Kunden. Sie inspirieren uns, fordern aber auch unseren Veränderungswillen heraus und werden den Transformationsprozess weiter beschleunigen. Ich bin überzeugt: Der Schlüssel zum Erfolg ist eine kreative und konzeptionell starke Präsenz in den Köpfen der Endverbraucher. Gerade der „Coolness-Faktor" der Kommunikation spielt dafür eine entscheidende Rolle. Aber zuallererst: Wille und Mut zur Veränderung.

Wir alle in der „Wertschöpfungskette Möbel" müssen bei den Verbrauchern Begehrlichkeiten für unsere Produkte wecken. Damit stehen wir vor einer großen Herausforderung. Die Größte sind vielleicht sogar wir selbst. Trauen wir uns, einzugestehen, dass wir etwas verändern müssen? Ganz sicher haben etliche von uns Ideen, wie die Vermarktung anders, intuitiver und näher am Verbraucher und seinen Wünschen laufen könnte. Ich weiß aus vielen Gesprächen in unserer Branche, dass die Zeit für Veränderungen gekommen ist.

Ich denke, dass wir das Thema „Kundennähe" noch viel offener thematisieren sollten und uns häufiger dazu austauschen müssen, um voneinander zu lernen. Am Ende profitieren wir alle davon.

Was meinen Sie? Schreiben Sie mir: salvatore.figliuzzi@interprint.de

Ich freue mich auf Ihr Feedback.

Ihr Salvatore Figliuzzi

 

(Dieser Gastkommentar erschien exklusiv in der Fachzeitschrift „möbelfertigung" Nr. 4/2018.)





  • Salvatore Figliuzzi, Interprint Director of Marketing & Design